Flucht aus Jordanien

Der Titel trifft es auf den Punkt! Wie es dazu kam…

Am Montag lag mal wieder ein Abschied hinter mir, als ich den Bus in Richtung Eilat, einer Stadt im Süden von Israel betrat. Die langen Überlandfahrten mit dem Bus bin ich schon gewöhnt aber ich würde mich auch wieder über ein wenig Individualverkehr mit dem eigenen PKW freuen.

In Eilat angekommen dominierten riesige Hotelkomplexe die Skyline. Auf der jordanischen Seite konnte ich von hier aus allerdings keine größeren Gebäude ausmachen. Ich fuhr mit dem Taxi bis zur Grenze und musste prompt 106 Neue israelische Schekel (ca. 25€) bezahlen um das Land verlassen zu dürfen. Weiter ging es in Richtung Passkontrolle, bei der alles genausten geprüft wurde und einige Fragen später wurde ich ins Niemandsland zwischen Israel und Jordanien geschickt. Der heiße Wüstenwind rauschte über mein Gesicht und ich konnte einige Menschen am Horizont erkennen die in die gegenüberliegende Richtung marschierten.

So traf ich nach einigen hundert Metern auf einen jordanischen Grenzbeamten der meinen Pass sehen wollte und gleich fragte woher ich komme…Nachdem ich mit „Germany“ antwortete, wurde ich prompt durchgewunken. Das gleiche bei der Gepäckkontrolle…Der Mitarbeiter würdigte dem Monitor des Scanners nicht einmal einen Blick. Danach kam ich zur Passkontrolle, die auch reibungslos verlief. Die 60€ Visa Gebühren bekam ich nicht zu spüren…allerdings wollte der Taxifahrer 50€ für die Fahrt ins Wadi in dem ich die nächsten drei Wochen leben und arbeiten wollte.

Ein junger Jordanier der anscheinend laute Musik mag fuhr mich durch die imposante Landschaft in das Wadi, das wohl ein geschützter Bereich zu sein scheint. Die Jungs am Eingang baten mich Ihnen für den Eintritt ein paar jordanische Dinar zu geben…Weil ich allerdings keine hatte, ließen sie mich passieren… Hier will wohl jeder mitverdienen 😉

Bis hier hin war alles gut aber als wir in das Dorf hineinfuhren, war ich geschockt. Völlig verdreckt, beschmierte Wände wohin das Auge blickt. Die Kinder spielen auf den Straßen mit Abfällen und die Häuser sind heruntergekommen und stehen größtenteils leer… Hier war schon lange keine Tourist mehr gewesen. Mohammed, mein Host für die nächsten drei Wochen stand auf der Straße, begrüßte mich herzlich und lud mich auch gleich auf eine Spritztour durch die Wüste ein. Das Fahrzeug war für deutsche Verhältnisse fahruntüchtig….platte Reifen, keine Spiegel und die Gurte funktionierten sowieso nicht, auch ließ sich der Beifahrersitz nicht fest positionieren, so dass ich immer nach vorne und hinten rutschte. Angekommen an einem Felsen erklärte mir Mohammed, dass dort oben eine Quelle ist die ich mir doch jetzt in Ruhe angucken könne…ich bin ein paar Meter gekraxelt hab einige Fotos geschossen und bin wieder umgekehrt…

Jordanische Wüste1 Jordanische Wüste

Zurück im Dorf wurde mir mein Schlafplatz gezeigt…ganz anders als in den Fotos auf der Webseite gezeigt…kein Bett und kein Zimmer sondern ein stickiger Raum in dem auch ab und zu seine Onkel mit übernachten werden, und ohne Bad…. Eine Dusche habe ich bis heute nicht gesehen und das Klo war drei Häuser weiter im Garten seines Onkels. Das halbe Dorf ist übrigens mit ihm verwandt. Fünf Schwestern, fünf Brüder und 37 Cousins und Cousinen…Ich sollte mich derweil Zeit mit seinen Geschwistern verbringen und er fuhr von dannen…Die kleinen sind sehr süß und aufgedreht. (Was mir nur Sorgen bereitet ist wenn sie mit Messern oder auf der Straße mit Gaskatuschen spielen)…und freuten sich einen neuen Spielkameraden zu haben. Außerdem wurde wohl von der Mutter aufgetragen, das sie sich um meine Bewirtung kümmern sollen. Die Mutter selbst hat sich mir allerdings nicht vorgestellt.

Wadi Rum Kinder1 Wadi Rum Kinder

Alles total komisch und nicht so ganz in mein Weltbild passend. Noch absurder wurde es, als Mohammed wiederkam und mich fragte, ob ich ihn nicht 50€ borgen könnte…ich würde das Geld auch nächste Woche zurückbekommen…er hat nur gerade keins…

Er fuhr mich nochmal durch das Dorf und stellte mich dem Besitzer eines Kiosks vor, bei dem ich günstige Preise als die Touristen bekommen soll…WELCHE TOURISTEN?!?!?!?! Außerdem aßen Mohammed und ich zu Abend…er besorgte eine Dose Thunfisch und einen Becher Joghurt…das gibts mal zu besonderen Anlässen…

Boar ne das war mir alles ne Nummer zu komisch hier….ich grübelte die ganze Nacht schweißgebadet was ich jetzt machen soll….

hierbleiben? „durchhalten“?, noch mal ne Nacht drüber schlafen…Ne brauch ich nicht. Hier bleibe ich auf keinen Fall

Ich blieb die ganze Nacht wach und schaute den Sternenhimmel an der wirklich bezaubernd schön ist…nur die Schüsse die ab und zu fielen, beunruhigten mich…aber Mohammed sagte mir das wäre normal…das sind nur Jäger

Am nächsten Tag stand ich parat mit gepackten Sachen und bereit zur Abfahrt. Mohammend wusste noch nichts davon und dachte noch immer wir würden jetzt gemeinsam in die Stadt fahren damit er seine Zähne machen lassen kann und die Internetrechnung bezahlen könne. Meine Aufgabe sollte es übrigens sein, den Schlafplatz den ich nutzte bei diversen Online-Portalen (Holidaycheck, TripAdvisor, Lonely Planet und Co) für die Touristen anzubieten….

Ich erzählte ihm von meinem Plan und er war sichtlich enttäuscht. Er versuchte mich wieder und wieder zu überzeugen hierzubleiben…Aber mich hätte nicht viel umstimmen können.

So saß ich im Bus zurück zur Grenzstadt und dann 300 km nördlich in die Hauptstadt Amman. Der nahe gelegene Flughafen sollte als Exit-Strategie dienen.

Angekommen wurde ich auch schon von einem Taxifahrer belagert, der mich unbedingt und mit harschen Ton in eine Unterkunft bringen wollte. Bescheuert, wie ich war, willigte ich ein…Ich wurde sogleich in ein Hotel gefahren und drei grinsende Gesichter hinter der Rezeption schauten mich mit gierigen Augen an…“Ahhhh German…nice nice…“ Ich handelte und handelte..fuhr noch mal mit dem Taxifahrer durch die Stadt um Geld zu holen und bekam das Zimmer für gut die Hälfte vom „Normalen Preis“. Die Preispolitik hier ist sowieso nur Schall und Rauch. Für mich war wichtig das ich funktionierendes WLAN hatte, das ich auch bekam und mich so gleich an die Buchung meines Flugs machte. Es sollte nach Phuket gehen…Also gesagt, gebucht. und jetzt erst mal etwas essen…

Ich checkte meine Mails und musste lesen, dass meine Flugbuchung storniert wurde…Gründe wurden nicht genannt…also noch einmal probieren..und das Internet wurde schlechter und schlechter. Da saß ich also mit Smartphone und Laptop in dem schäbigsten und teuersten Hotel, in denen ich jemals gewesen bin in einem Land, aus dem ich nur noch wegwollte….

Ich hatte auch die letzten Tage immer wieder darüber nachgedacht zurück nach Deutschland zu fliegen, um meine Liebsten zu sehen…zu drücken und einfach, um mich zu haben. Es war eine spannende, lustige, und interessante Reise mit tollen Erfahrungen und jetzt ist es Zeit für mich wieder nach Hause zu kommen.

So tat ich das, was ich für richtig hielt, und buchte einen Flug nach Deutschland…auch dieser wurde wieder storniert…das zog sich die ganze Nacht so hin, bis ich am Morgen meine Familienmitglieder kontaktierte und bat den Flug zu buchen….

Scheint geklappt zu haben…zumindest habe ich eine Reservierungsbestätigung bekommen…na dann erst mal Frühstücken. Zwei Stunden später befand sich das selbige aber im Klo wieder…und mir was kotzübel (Im wahrsten Sinne des Wortes). Das zog sich so hin bis zum nächsten Morgen…Ich hatte also wieder kaum geschlafen und die Situation wurde nicht besser. Als ich am nächsten Morgen noch immer keine Bestätigung bekommen hatte, versuchte ich den Weg über die deutsche Botschaft in Amman…vielleicht können die ja behilflich sein oder wissen mehr als ich….Ans Telefon ging keiner…auch die Notfallrufnummer war anscheinend nicht besetzt…dann mit dem Taxi hin. Vorher wurde ich aber noch Zeuge als ein Hotelgast, der schon den ganzen Vormittag besoffen rumgebrüllt hat und dafür Schläge von einem der Hotelmitarbeiter kassiert hat, abgeführt wurde…. Hier ist was los…also auf zur deutschen Botschaft…der erste Taxifahrer wusste wohl nicht so recht, wo es ist, aber fuhr ganz selbstbewusst durch die Stadt…blieb stehen und zeigte auf ein Gebäude…“ok“…und brauste davon…das war nicht die Botschaft…also ein anderes Taxi bei dem ich mich vorher versicherte das er den Weg kannte. „YES“…na dann los…und diesmal stand ich in der Straße der deutschen Botschaft…weiter als bis zur Straßenabsperrung durfte ich anscheinend nicht…nach langem Hin und Her mit den Sicherheitskräften kam dann ein großer blonder Mann, der mich auf sächsisch begrüßte und mir nicht weiterhelfen konnte…er hatte nur Verschwörungstheorien auf Lager wie z.B. das der jordanische Geheimdienst seine Finger im Spiel hat….weil ich ja vorher in Israel war…und das ich am besten zurück nach Israel fahre oder besser noch nach Ägypten über die Sinai Halbinsel….(Artikel der Tagesschau) …Guter Mann

Dann auf zum Flughafen…auch da meinte er, das wäre keine gute Idee denn da komm ich ja nur mit einem ausgedruckten Ticket rein….Eine Alternatividee kam aber auch nicht von ihm, also fuhr ich los…

Und ich könne ihn immer anrufen bzw. die Notfallnummer….“Ja habe ich, ist keiner ran gegangen“…“Ähhhm…war bestimmt gerade auf Toilette“

Ich kam auch ohne ausgedrucktes Ticket in das Flughafengebäude, wählte mich in das freie WLAN und kommunizierte noch mal mit Deutschland. Und auch der Flug wurde wieder storniert…meine Schwester buchte dann über ein deutsches Reisebüro die Rückreise nach Istanbul und von dort aus nach Hannover…ich holte mir auch sogleich die „Boarding Tickets“ (sicher ist sicher), aß noch eine Kleinigkeit und bestieg fünf Stunden später den Flieger nach Istanbul. Der Flug war angenehm…ich hatte die Sitzreihe für mich allein und auch der Service und das Essen bei „Royal Jordan“ sind ausgezeichnet 🙂

Um 19:00 Uhr Ortszeit landete ich in der türkischen Hauptstadt und hatte jetzt zwölf Stunden Zeit…die ich versuchte zu schlafen…was mir aber leider nicht gelang. So bestieg ich das Flugzeug völlig übermüdet, mit Augenrändern bis zum Boden, einem streikenden Magen aber voller Vorfreude auf Deutschland.

Normalerweise bin ich nach der Landung einer der Letzten der aussteigt, weil es mir zu doof ist 15 min im Gang zu stehen aber diesmal war ich einer der Ersten und da ich nur mein Handgepäck hatte, konnte ich auch gleich in die strahlenden Gesichter meiner Familie blicken 🙂

2 thoughts on “Flucht aus Jordanien”

  1. Willkommen in Deutschland!!Wir haben mit dir mitgefiebert, als wir den Text gelesen haben und dachten schon, du schreibst jetzt aus einem Gefängnis oder Ähnliches…

    Schon überlegt, was du jetzt als nächstes machst? Vielleicht die Welt in die andere Richtung erkunden?

  2. Einen kleinen Spannungsbogen muss ich ja schaffen 😉 Ich erkunde erstmal Deutschland 😀 Hier ist es ja auch ganz schön. Muss ich immer wieder feststellen wenn ich das Land verlasse. Aber ich schreibe nochmal einen Artikel wie die nächsten Schritte aussehen.

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