Israel

Ich bin zu spät dran…ich bekomme meinen Anschlussflug nach Tel Aviv nicht…trotzdem will ich mir noch was zu Essen kaufen. Schnappe mit zwei Sesamkringel, ein Wasser, knall der Kassiererin die letzten Türkischen Lira auf den Tresen und hetze weiter ohne auf das Wechselgeld zu warten…..

Als ich in Tel Aviv lande und an der Passkontrolle ankomme werden mir viele Fragen gestellt, was ich denn hier möchte, welche Städte ich bereisen will, warum ich sechs Wochen lang in der Türkei war usw.
Nachdem ich alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet hatte, durfte ich passieren und israelischen Boden betreten. Der Flughafen ist sehr modern und es fallen einem sofort die vielen jungen und glücklichen Gesichter auf, die auf Ihre Angehörigen warten. Noch Auffälliger sind die vielen jungen Menschen in Militäruniform die zum ganz normalen Alltag gehören, weil jede_r Israeli mit dem achtzehnten Lebensjahr zum Militär muss.[1] Ein Bild an das ich mich erst mal gewöhnen muss.

Ich wohne im „Diamanten Viertel“ der Stadt und wurde von Ruth, einer älteren sehr netten Dame empfangen. Sie ließ mich auch wissen das ich mich glücklich schätzen kann bei ihr wohnen zu dürfen, weil viele in Ihrer Wohnung übernachten möchte. Zuerst wurde wohl intern mit den anderen beiden Bewohnerinnen entschieden, ob ein Mann hier übernachten dürfe….Es scheinen alle zugestimmt zu haben 😉
Anbei der Link zu Ruths Youtube Channel

Die Wohnung befindet sich im obersten Geschoss (7te) eines Hochhauses. Das Zimmer ist eher klein aber für meine Zwecke ausreichend aber das Highlight an meinem Zimmer ist, dass ich über eine Treppe auf das Dach gelange auf dem man einen wundervollen Blick über die komplette Stadt hat. Außerdem eignet sich die Dachterrasse auch zum Entspannen, für Sportübungen oder andere Aktivitäten (Dazu später mehr), dann aber nur am Morgen oder Abend, weil die Sonne wirklich unbarmherzig brennt.

Wohnung in Tel Aviv 4 Tel Aviv Skyline Wohnung in Tel Aviv

Von Ruth habe ich gleich einen Crashkurs in Geschichte und Religionsunterricht bekommen und bin jetzt wieder auf dem aktuellen Stand.
Den Rest des Abends hat Sie mir die Stadt in Ihrem Auto nahe gebracht. Für mich waren das auffälligste die vielen Menschen die ÜBERALL Sport treiben. Sei es laufen, schwimmen, Fahrrad fahren, Workouts, Yoga…Jeder hält sich hier fit!

Angekommen am Sandstrand von Tel Aviv steht ein Hotel neben dem nächsten…und das in riesiger Ausführung. Erinnert mich alles ein wenig an Miami Beach, nur mit noch mehr Polizeipräsenz.

Strand Tel Aviv

Nach dem Strand ging es in den alten Stadtkern „Jaffa“ der gesäumt ist von kleinen Gassen, Restaurants und Schnellimbissbuden verschiedener Nationalitäten. So lud mich Ruth zu einem serbischen „Boureka“ ein, der gefüllt war mit Kartoffelbrei….mhhhhhhhh 🙂

Bourekas

Die hohe Luftfeuchtigkeit der Nacht hat sich bemerkbar gemacht und so bin ich durchgeschwitzt am nächsten Morgen aufgewacht. Ich war mit Ruth um 06:00 Uhr verabredet um zum Strand zu fahren und ein paar Bahnen zu schwimmen, sie traf sich derweil mit einer Freundin. Was ich nicht erwartet hatte war das der Strand total überfüllt war 😀 und das um die Zeit….Noch mehr Sport treibende Menschen…aber ich mein auch nicht son bisschen Larifari…sondern mit Disziplin und einer gewissen Härte….Ich ließ mich dadurch aber nicht stören und sprang in das warme Wasser um gegen die Wellen anzukämpfen…Weil mich nun doch die Lauflust gepackt hatte, bin ich noch einmal den Strand hoch und runtergelaufen um dann endlich mein Frühstück in empfang zu nehmen…

Obst in Israel

Ich kaufte beim Händler um die Ecke ein und probierte zum ersten mal Kaktus und Maracuja
Beim Kaktus muss man natürlich aufpassen, wie man das ganz pellt…ich versuchte das ganze ohne großartigen Schutz anzufassen was sich aber schnell rächte und zu winzigen stacheln in den Händen führte…Ruth zeigte mir dann aber als Profi wie man das macht 😉

Kaktus schälen2 Kaktus schälen

Na dann lass ich es mir mal schmecken!!! SOOO LECKER!!! und der Geruch der Maracuja …himmlisch 🙂 Außerdem war die Mango die leckerste, die ich jemals gegessen habe!

Obst in Israel1

Den Rest des Tages verbrachte ich auf dem Fahrrad, das mir Ruth geliehen hatte um noch einmal die Stadt auf eigene Faust zu erkunden…ich steuerte dabei die selben Punkte wie am Abend zuvor an und traf mich noch mit einem ehemaligen Mieter von Ruth. Nir ist ein junger Israeli, mit dem ich über das Reisen sprach…er empfahl mir wie viele andere auch schon unbedingt nach Indien zu reisen….ich werds im Hinterkopf behalten! 🙂

Fahrradtour durch Tel AvivJaffa Jaffa2 Jaffa3

Außerdem kam irgendwann seine Freundin Caroline dazu mit der wir über israelische Musik und das Leben in Israel bzw. Tel Aviv sprachen…“Israelis müssen glücklich sein, weil es immer der letzte Tag sein kann„….der Satz ist mir auf jeden Fall im Kopf geblieben.
Die zeigte mir außerdem stolz ihre Fotos von der Zeit beim Militär auf Facebook ehe wir die beste Falafel meines Lebens aßen…Essenstechnisch macht den Israelis keiner was vor 🙂
Die Karte hatte neben Falafel auch ein Gericht mit den Namen „Schnitzel“ zu bieten und ich berichtete von deutschem (Schweine) Schnitzel mit Kartoffeln bzw. Pommes…Das ich dadurch eine Riesendiskussion lostreten würde war mir ja so nicht bewusst 😀 Aber „Schnitzel“ in Israel bedeutet „Hähnchenbrust mit Spagetti“ :D:D:D und so wurde sich doch stark gewundert, wie das denn sein könne. Ich radelte zurück zum Apartment und viel ins Bett….Bis ich durch lautstarkes weibliches Gestöhne geweckt wurde…es kam vom Dach….Na gut…Scheint das die Nachbarn Spaß haben 😀

Morgens fragte mich die amerikanische Mitbewohnerin „Bethany“ ob ich mit ihr einen Tagestrip in den Norden nach Tiberias unternehmen möchte…weil ich nichts vor hatte, stimmte ich ein und ließ mich überraschen….

Der Trip bestand die meiste Zeit daraus eine Strecke von A nach B zu Fuß in der glühenden Hitze abzureißen…auf Busse zu warten um dann doch ein paar Kilometer per Anhalter zu fahren…Außerdem kam noch dazu das ich mir von der Fahrradtour am Tag zuvor die Innenseiten meiner Schenkel brannten, was sich bis zum Hintern hochgezogen hat..und das in Kombination mit Schweiß und den anneinanderreibenden Salzkristallen...gibt schöneres.

Tiberias liegt am See Genezareth, dem See über den Jesus gegangen ist…Ruth meinte aber das ist auch nicht schwer, denn der Rand ist ziemlich flach 😀
Der See ist außerdem das größte Süßwasservorkommen in Israel und dient der Wasserversorgung des Landes. Mit 212m unter dem Meeresspiegel ist er außerdem der tiefliegeste Süwassersee der Erde.[2]

See Genezareth2 See Genezareth

Weil Tiberias aber nicht wirklich viel zu bieten hat, sondern eher aus Touristenattraktionen besteht, steuerten wir ein paar historische Orte wie die Brotvermehrungskirche an, in der ich überraschender Weise viele Schriften auf deutsch vorfinden konnte. Nach einiger Recherche zeigte sich allerdings auch warum…denn die Kirche gehört der „Deutsch katholischen Palästinamission„. Leider war das Atrium nicht begehbar, denn Am 17. Juni 2015 wurde die Kirche Opfer eines Brandanschlags durch rechtsextremistische israelische Siedler.[3]

Kirche der Brotvermehrung3 Kirche der Brotvermehrung1 Kirche der Brotvermehrung

Danach wanderten wir noch ein Stück auf den Berg der Seligpreisungen, auf an dem Jesus von Nazareth die Bergpredigt gehalten hat, die mit den Seligpreisungen beginnt. Außerdem soll er hier die Apostel unter seinen Jüngern ausgewählt haben.[4]

Berg der Seeligpreisungen3 Berg der Seeligpreisungen2 Berg der Seeligpreisungen1

Berg der Seeligpreisungen

Genug Religion und Geschichte für einen Tag…Gute Nacht!

Tel Aviv bei Nacht

Heute hatte ich mir vorgenommen mein Busticket nach Jordanien bzw. zur israelischen Grenzstadt „Eilat“, die im Süden des Landes liegt zu kaufen. Da ich keine Ahnung hatte, wo ich die Fahrkarten bekomme, steuerte ich den zentralen Busbahnhof an. Also kurze Recherche im Internet und dann bin ich auf folgenden Artikel aus der „Zeit“ gestoßen und habe mich wirklich darauf gefreut den zweitgrößten Busbahnhof der Welt, der sich über sieben Etagen erstreckt, zu betreten. Ich wurde nicht enttäuscht. Ein Betonklotz der einen verschlingt, wenn man erst mal angekommen ist. Ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, unterschiedlicher Essensstände, Händler die ihre Kleidung und Elektronikwaren anbieten und das alles in diesem riesigen Gebäude, in dem man sich verlaufen muss. Ich kaufte also mein Ticket für 80 Schekel und genoss noch ein wenig die einmalige Atmosphäre. Ich freu mich schon drauf am Montag wiederzukommen 😀

Busbahnhof Tel Aviv 6 Busbahnhof Tel Aviv 5 Untitled design-33 Busbahnhof Tel Aviv3 Busticket nach Eilat

Da ich die Basare in der Türkei immer ziemlich genossen habe, begab ich mich zum „Carmel Markt“ in Tel Aviv und bin nach kurzer Zeit wieder ernüchternd gegangen. Keine kostenlosen Probieraktionen, keine besonderen Waren….Joar dann eben nicht.

Dafür stand als Nächstes das Mittagessen auf dem Programm. Tel Aviv beheimatet viele verschiedene Kulturen aus aller Herren Länder, das sich auch positiv auf das kulinarische Angebot auswirkt. So steuerte ich ein äthiopisches Restaurant an, in dem mir ein landestypisches Brot und verschiedener „Dips“ gereicht. Es war aber etwas schwierig das Brot, das sich ziemlich schnell mit den Saucen vollsaugt hat, dann noch mit den Fingern zu Essen…vielleicht war ich auch einfach zu langsam 😀 Immerhin hat es geschmeckt 😉

Äthiopier in Tel Aviv

Auf dem Weg nach Hause sah ich eine ganze Horde junger Israelis in Militäruniform in ein Gebäude stürmen…hmm mal schauen was da los ist…also hinterher…Am Eingang des Gebäudes wurden alle Taschen durchsucht um anschließend die Rolltreppe ins Obergeschoss zu betreten…So sieht also eine israelische Shopping Mall aus…Joar…ich komm mir vor wie in den Braunschweiger Schlossarkaden oder der Wolfsburger City Galerie….nur das die Mädels in der rechten Hand die H&M Tasche und in der linken das Maschinengewehr tragen. Sinnbildlich gesprochen! Und weil ich mich wie zu Hause fühlte rief ich auch gleich über das offene WLAN, das sich über die ganze Stadt erstreckt meine Familie und Freunde an…ab und zu muss das einfach mal sein 🙂

Am nächsten Tag stand mal etwas Kultur auf dem Programm. Ruth und ich gingen ins „Museum of modern Art“ in Tel Aviv und ich bekam eine Rundführung. Am spannendsten fand ich dabei die Visualisierung des Konflikts zwischen Israel und Palästina. Viele Bilder aus der Stadt Jerusalem waren dort abgebildet mit ihren innerstädtischen Grenzposten, von der ich aber keine Fotos geschossen habe.

MomA Tel Aviv5MomA Tel Aviv MomA Tel Aviv1 MoMa Tel Aviv2Bäume aus Papierschiffchen

Am Abend zeigte mir Ruth einige ihrer auf DVD gebrannten Reisedokumentationen, die sie selbst bearbeitet hat. Dabei war ein kurzer Film zu sehen, von einem Event bei dem jeweils dreißig Israelis und Palästinenser an einen Tisch kamen um über Ideen und Maßnahmen zur Verbesserung der Lage zu diskutieren. Ruth erklärte mir, das die Bürger diese Events regelmäßig abhalten.

Als Nächstes steht der Besuch von Jerusalem auf der To-do Liste, diesmal allerdings mit dem Auto 🙂 Ruth, Bathony und Ich standen um 06:00 Uhr auf, um dann das Auto mit Ruth Spezialtechnik in 3 min komplett zu waschen… Naja…immerhin kann man durch die Scheiben gucken…das ist wohl das Wichtigste.

Nach erfolgreicher Parkplatzsuche steuerten wir auch gleich den alten Stadtkern an in dem sich Moscheen neben Kirchen stehen. Das Jerusalem von Christen, Juden und Muslimen als Heilige Stadt angesehen wird, spiegelt sich im Stadtbild wieder das aus Kirchen, Moscheen und Synagogen besteht.

JerusalemJerusalem2

Viele verwinkelte Gassen durchziehen diesen historischen Teil der Stadt, die wir erfolgreich bis zur Klagemauer durchstreiften. Die Mauer die von den Juden nur „westliche Mauer“ oder „Kotel“ genannt wird, ist eine religiöse Stätte des Judentums, die täglich von vielen Menschen besucht wird, um dort zu beten.[5]

Klagemauer Klagemauer1

Anschließend besuchten wir das größte Heiligtum des Christentums, die Grabeskirche, die sich an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu befindet.[6]

Grabeskirche Grabeskirche3Grabeskirche2

Das war auch heute wieder eine Menge Informationen, die ich erst mal aufarbeiten muss…

Fazit:

Vor der Reise nach Israel wusste ich nicht viel über das Land…nur das, was man in den Nachrichten mitbekommt und das ist ja meist nicht positiv. Man hört von Bomben- und Raketenangriffen und einer sehr angespannten Lage. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, wie die Menschen hier leben würden…Nach einer Woche in Israel bzw. größtenteils Tel Aviv fühl ich mich irgendwie komisch….nicht wirklich angekommen…es fehlt etwas. Trotz der Vorfälle in der Vergangenheit fühle ich mich sicher und die historischen und religiösen Hintergründe sind interessant aber das ist nicht das, was ich auf meiner Reise möchte. Ich will nicht von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten laufen und Fotos knipsen. Stattdessen freue ich mich jetzt auf Jordanien, das Leben mit den Beduinen, das ich endlich mal wieder produktiv sein kann und bei einer Familie leben darf.

Schöne Grüße 🙂

Good Bye Tel Aviv

Kurioses

Gefunden auf dem Berg der Seligpreisungen 🙂

Bierchen2 Bierchen

Diese E-Fahrräder besitzt fast jeder Tel Avivi. Klein, schnell und man benötigt keinen Führerschein.

E-Bike Tel Aviv

[1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/soldatinnen-in-der-israelischen-armee-bildband-von-simon-akstinat-a-951531.html

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/See_Genezareth

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Brotvermehrungskirche

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Berg_der_Seligpreisungen

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Klagemauer

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Grabeskirche

3 Gedanken zu „Israel“

  1. Hallo Christian,
    beeindruckende Story…
    Sehr interessant und informativ. Komm Gesund wieder und ich hoffe, dass du weiter tolle Menschen triffst und schöne Länder siehst.
    Gruß Torsten Kaday

  2. Sehr schön. Vorallem, dass du in Geschichte und Religionsunterricht jetzt wieder auf dem aktuellen Stand bist 😀

    Liebe Grüße
    Philipp

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