Nutzt euren Bildungsurlaub!

Denn das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht gemäß Art. 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Dabei ist der Bildungsurlaub eine besondere Form des Urlaubs, die der beruflichen oder politischen Weiterbildung dient. Ich habe meinen Bildungsurlaub genutzt um fünf Tage in den Bergen Österreichs etwas über den Tourismus und Klimawandel in der Region zu lernen.

Aber zuerst will ich Euch ein paar Fragen zum Thema Bildungsurlaub erklären.

Mir fällt immer wieder auf, dass viele Arbeitnehmer ihr Recht auf Bildungsurlaub nicht nutzen und die fünf Tage (Niedersachsen), die Ihnen jedes Jahr zustehen einfach verstreichen lassen. Unter dem folgenden Link findet ihr eine Menge an Informationen zum Bildungsurlaub.

http://www.bildungsurlaub.de/infos_bildungsurlaub-ein-ueberblick_17.html

Bei der Auswahl und Beantragung meines Bildungsurlaubs bin ich folgendermaßen vorgegangen.

Suchen und Auswählen: Gesucht habe ich auf den folgenden beiden Seiten

http://www.bildungsurlaub.de/home.html

www.arbeitundleben.de

Wichtig dabei ist, dass der Bildungsurlaub in den jeweiligen Bundesländern anerkannt ist. Auch sollte der BU mind. 4 Wochen vorher beantragt werden, damit der Arbeitgeber die Abwesenheit einplanen kann.

Beantragen: Nach der Buchung auf der Internetseite sendete mir der Veranstalter die Unterlagen zu mit denen ich meinen Bildungsurlaub bei meinem Vorgesetzten beantragt habe.

Finanzieren: Die Kosten für den Bildungsurlaub habe ich selbst getragen, allerdings wurde ich in dem Zeitraum des BUs von meinem Arbeitgeber weiterbezahlt.

Die Ausgaben für beruflich bedingte Fortbildungen können in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Der Fiskus erkennt neben Kursgebühren auch Kosten für Fahrten, Übernachtungen sowie Verpflegungspauschalen an. Auch Arbeitsmittel und ein Arbeitszimmer zuhause können die Steuerschuld senken.

Am letzten Tag des Bildungsurlaubs habe ich eine Teilnahmebescheinigung erhalten, die ich meinem Arbeitgeber vorlegte.

 

So und nun endlich zu dem eigentlichen Bildungsurlaub 🙂
(10.07.2016 – 15.07.2016)

Los gings am Sonntag den 10.07.2016. Und zwar bin ich von Frankfurt nach Österreich gefahren, wo das Seminar stattfinden sollte. Genauer gesagt in Heiligenblut, einer Gemeinde mit 1022 Einwohnern im Nationalpark „Hohe Tauern“. Der Titel des Seminars war: „Nationalpark Hohe Tauern – Klimawandel, Tourismus und Artenschutz am Fuße des Pasterzegletschers“. Da ich mit dem eigenen Auto angereist bin musste ich die kostenpflichtige Großglockner Hochalpenstraße nutzen um Heiligenblut zu erreichen. Der Ausblick auf den höchsten Bergs Österreichs hat sich aber gelohnt und zusätzlich habe ich noch zwei Murmeltiere gesehen 🙂

Großglockner

Nachdem ich Heiligenblut mit glühenden Bremsen erreichte, habe ich die Pension Bäuerle betreten um mein Zimmer zu beziehen.

Pension Bäuerle

Ich war schon etwas spät dran, was meinem Zwischenstopp in München geschuldet war, denn ich hatte noch zwei Mädels über die Mitfahrzentrale BLABLACar eingepackt, um die Kosten zu teilen und etwas Unterhaltung zu haben 😀
Als ich zur Gruppe gestoßen bin war die Vorstellrunde schon vorbei…ich erzählte aber noch schnell wer ich bin und wir gingen gemeinsam das Wochenprogramm durch…Ziemlich straff…Das hatte ich mir doch etwas entspannter vorgestellt 😀

Ablaufplan

Nichtsdestotrotz waren die anderen 23 Teilnehmer und der Seminarleiter sehr sympathisch und noch bessere Laune bekam ich nachdem ich ein ordentliches Stück Gemüselasagne verputze 🙂

PS: Ich war mit Abstand der jüngste Teilnehmer 🙂

Geschlafen habe ich relativ gut und ich war morgens schon früh wach weil ich an der Meditation teilnehmen wollte. Die beinhaltete eine halbe Stunde Thai Chi, eine chinesische Kampfkunst die in abgewandelter Form als Gymnastik und Meditation dient. So sah jeder morgen aus und ich habe auch fleißig mitgekämpft 🙂 Mir sagen aber die Yogasessions in der Türkei oder auch beim Festival der Utopie mehr zu.

Nach einem schmackhaften Frühstück wurden wir in Gruppen eingeteilt und musste im Laufe des Tages Präsentationen erarbeiten, die wir in „freier Wildbahn“ vorgetragen haben. Mich hat es in die Gruppe „Der Reiz der Wildnis“ verschlagen. Dazu bereiteten wir ein Rollenspiel vor bei dem ich einen entsetzten Schäfer spielte und mein Gegenüber einen Tierfreund, der sich für die Auswilderung des Wolfes einsetzt. Wir einigten uns darauf, dass die Auswilderung des Wolfes unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden muss wie z.B. einer Entschädigungszahlung bei gerissenen Schafen.

Präsentation_Wölfe

Bei der Wanderung am ersten Tag blieben wir immer wieder stehen und Olaf, der Seminarleiter erklärte uns die Flora und Fauna der Umgebung. So lernte ich z.B. das sich Moos gern auf säurehaltigen Untergrund ausbreitet. Im Laufe der Wanderung stellten auch noch die Gruppen „Das Moor und der Wald“ ihre Präsentation vor. Sehr schön hatte die Waldgruppe ihre Präsentation in Form eines Quiz vorgetragen.

Blumen

Am zweiten Tag fuhren wir mit der Seilbahn auf den Schareck (3123m). Leider spielte das Wetter nicht mit und so fanden wir uns am Gipfelkreuz in einer nasskalten Suppe wieder.

Gipfelkreuz

Olaf ließ sich aber dadurch nicht abbringen und erklärte uns bei pfeifendem Wind, dass die Pflanzen in den höheren und kahleren Regionen eine viel kräftigere Farbe aufweisen (müssen) um Insekten anzulocken und sich zu vermehren.

Blumen2

Ich war happy, als wir im warmen Bergrestaurant saßen, eine Suppe löffelten und der Präsentation „Harter vs. sanfter Tourismus“ lauschten.

Nach dem der Vortrag zu Ende war hatten sich auch die Wolken verzogen und wir machten uns noch einmal auf zum Gipfelkreuz…diesmal mit klarem Blick. 🙂

Im Anschluss ging es wieder in die Gondel um ein paar Höhenmeter in Richtung Tal zu machen. Den Abstieg gingen wir zu Fuß…und der war steiler als gedacht…Meine Knie haben sich auch mit Schmerzen bedankt…(und ich hab die anderen noch wegen ihrer Wanderstöcker belächelt…). Nächstes mal sollte ich mir doch die empfohlenen Wanderstöcke zulegen. Am Ende des Tages schauten wir noch einen Film über die Veränderung der Alpen…sehr interessant und gruselig zugleich. Die Frage am Ende war…“Ist der Klimawandel natürlich oder durch den Menschen verursacht?“

 

Der Mittwoch startete mit einem Ausflug auf den Sturm-Arche Hof.

„Mit dem Wunsch „Wir wollen Bauer sein“, suchten Angelina und Hubert Pucher sieben Jahre nach „Ihrem“ Hof. Und fanden ihn schließlich in der Nachbargemeinde Heiligenblut. Hubert, ein gelernter Maschinenbauer, wuchs in Döllach/Großkirchheim auf. Angelina stammt aus Deutschland, aus dem kleinen Städtchen Murrhardt, nahe bei Stuttgart. Angelina und Hubert lernten sich auf der Kröll-Alm kennen und verbanden ihre Kindheitsträume vom Bauer sein.“

Ich fand es sehr spannend diesen Hof zu besichtigen und speziell das der Hof von zwei „Nicht-Landwirten“ betrieben wurde fand ich faszinierend. Die beiden haben ihre klassische Arbeit aufgegeben um ihren Traum zu leben.

Sturm-Archehof

Ich bedankte mich am letzten Tag für die Führung bei Angelina mit einer Handvoll Lobesmünzen in der Fensterbank. Leider war zu diesem Zeitpunkt niemand vor Ort aber ich löste die geheimnisvollen Münzen mit in einer Email auf. 🙂

Süß war auch die Tochter Amelie (4), die sich sofort an mich hängte und mich in der Mittagspause mit kleinen Walderdbeeren versorgte. Der Neid bei den anderen Teilnehmer war deutlich zu spüren 😀

HundundHase

Am Nachmittag wanderte jeder in seinem Tempo zur Pension zurück…Leider machte Petrus uns einen Strich durch die Rechnung und sendete uns mal wieder Regen zu. Klitschnass angekommen führte der erste Weg ins Zimmer und der zweite in die Sauna 🙂 Außerdem stand am Abend noch der Vortrag über das Wildtiermanagement und den Bartgeier an. Alles in allem ein sehr anstrengender und kräftezehrender Tag aber auch der schönste.

Über das Abendessen habe ich noch gar nicht berichtet! Denn das war wirklich ausgezeichnet. Man konnte sich ausreichend mit Salat und Suppe eindecken, um die Grundlage für die österreichische Hauptspeise zu legen. Sehr mächtig, allerdings konnte man auch immer zwischen einer Fleisch- und einer vegetarischen Variante wählen. MHHHHH Ein großes Dank an die Küche 🙂

 

Am Donnerstag stand der Abstieg vom Pasterzegletscher  auf dem Programm. Zu einem Abstieg gehört meist auch ein Aufstieg, den wir aber mit dem Bus nahmen 🙂 Bei sonnigem Wetter im Tal stiegen wir also in die öffentlichen Verkehrsmittel und fuhren in Richtung Pasterzegletscher. Während der halbstündigen Auffahrt wechselte das Wetter von sonnig auf Schnee….An der Mautstation wurden sogar Schneeketten vorausgesetzt und uns kamen Fahrzeuge entgegen die einen halben Meter frischen Schnee auf ihren Dächern trugen….Das war ja so gar nicht mein Wetter 🙁 und gerechnet hatte damit auch niemand, auch wenn wir in den Bergen waren! Ausgestiegen an der Bushaltestelle nahmen wir unsere Rangerin in Empfang, die uns als erstes den Ort zeigte, an dem die Murmeltiere gefüttert wurden und eins traute sich bei dem Wetter auch raus um ein paar Nüsse zu ergattern. Die sehen ja schon ganz niedlich aus mit ihrem flauschigen Fell 🙂

Murmeltier

Außerdem konnten wir durch das Fernglas Steinböcke bestaunen.

Steinbock

Während wir aber dort herumspazierten merkte ich wieder die Schmerzen in meinem Knie…und das vier Stunden bergabwärts, das kann nicht gut gehen. Deswegen entschied ich mich den Bus ins Tal zu nehmen und mich etwas auszuruhen. Beim Abendbrot bekam ich dann auch die Storys des Abstiegs zu hören.

Pasterzegletscher

Der letzte Tag in Österreich ist angebrochen. Heute schauten wir noch einmal auf die Woche zurück und Jede_r teilte sein persönliches Feedback mit der Gruppe. Eine schöne Aufgabe heute war das Thema „Nachhaltigkeit im Alltag“. Jede_r zeigte auf was man im Alltag tun kann um ein nachhaltiges Leben zu führen z.B. „Umsteigen auf einen Ökostromanbieter“, Nutzen von „Foodsharing, Mitfahrzentralen , Cradle-to-Cradle“. Interessant fand ich den Ansatz in nachhaltige Unternehmen zu investieren, das geht z.B. wenn man sich den „Dow Jones Sustaunability Index“  anschaut, in dem Firmen aufgenommen werden die bestimmte Kriterien (ökonomisch, ökologisch und sozial) erfüllen.

Alles in allem machen wir alle kleine Schritte in die richtige Richtung und verabschiedeten uns somit von den Bergen 🙂

Heiligenblut

Ich stieg ins Auto und fuhr Richtung Venedig.
Fazit: Es war ein schöner und interessanter Bildungsurlaub mit vielen tollen Menschen. Ich habe eine Menge gelernt und freue mich schon auf den nächsten BU. Mal sehen, wo es dann hingeht 🙂

Ich kann nur noch mal die Überschrift dieses Artikels wiederholen „Nutzt euren Bildungsurlaub“.

Quellen:

http://www.bildungsurlaub-machen.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Recht_auf_Bildung

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2013-05/faq-weiterbildung-bildungsurlaub

https://www.test.de/Bildungsurlaub-Bis-zu-zwei-Wochen-am-Stueck-1840821-1840825/

 

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